Die Djembe-Musik

Die
in diesen Seiten zitierten Texte sind aus der Diplomarbeit
"jembefo -
die Perkussionsmusik der Maninka Guineas zwischen Kontinuität und
Wandel"
(Giordani Daniel, Wien, 2003)
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Die Perkussionsmusik der Mande Westafrikas ist durch das
Zusammenspiel mehrerer Perkussionsinstrumente in einem Ensemble
gekennzeichnet. In einem solchen Djembeensemble finden zwei
Instrumententypen ihre Verwendung
Das Hauptinstrument eines Ensembles ist die Djembe, eine
kelchförmige, mit Ziegenfell bespannte Trommel. Sie hat im Ensemble
die führende Rolle. Die Djembe wird sowohl als Begleitinstrument,
als auch als Soloinstrument verwendet, wobei das Spiel des Solos an
der Djembe als wichtigster und schwierigster Teil gilt.
Der zweite Instrumententyp sind die drei Dunduns, die
zylinderförmigen Basstrommeln die jeweils mit einer Eisenglocke
versehen sind.
Es werden drei verschieden Große, und somit auch im Klang
unterschiedliche Basstrommeln verwendet.
Die große und sehr tiefe Dundunba (in Conakry häufig als Dundun
bezeichnet), die mittlere Sangban und die kleine hohe Kensedeni (in
Conakry als Kenkeni bezeichnet).
Die Basstrommeln bilden die Grundstruktur eines jeden Rhythmus
Die Anzahl der Instrumente kann sehr stark variieren. Als klassische
Besetzung in Guinea gelten drei Bässe, 1-2 Begleit-Djembe und eine
Solo-Djembe.
Es sind aber auch zahlreiche andere Varianten möglich. Die kleinste
Besetzung ist eine Djembeund die Sangban . In sehr großen Ensembles
findet man auch 5-6 Basstrommeln und ebenso viele Djemben
Die Djembe
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Die Djembe ist eine kelchförmige, mit Ziegenfell bespannte
Trommel. Sie wird sitzend zwischen den Beinen gehalten oder
mit einem Gurt umgehängt und stehend mit beiden Händen
gespielt.
Häufig sind an der Djembe noch Sese (Schnarren) angebracht,
die beim spielen mitklingen und das Klangspektrum erweitern.
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Die Dunduns
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Die Dunduns sind zylinderförmigen Basstrommeln, die jeweils
mit einer Eisenglocke versehen sind.
Es werden drei verschieden große, und somit auch im Klang
unterschiedliche Basstrommeln verwendet:
Die große und sehr tiefe Dundun, die mittlere Sangban und
die kleine hohe Kenkeni.
Die Basstrommeln bilden die Grundstruktur eines jeden
Rhythmus.
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Instrumentenbau
Der Bau einer Trommel ist eine relativ
komplexe Angelegenheit, wofür die Musiker in Guinea viel Zeit
aufwenden. Angefangen bei der Suche und Wahl des Holzes, des Fells,
der Schnüre und Stoffe bis hin zur Durchführung der Holzarbeit und
der Bespannung sind viele Faktoren zu berücksichtigen, um eine gut
klingende Djembe oder Dundun zu erhalten.
Ich durfte sowohl in Conakry als auch in Baro und Faranah des
öfteren am Bau der Trommeln assistieren, und konnte die körperlich
anstrengende und präzise Arbeit miterleben.
Die Instrumente und deren Bauweisen haben sich im Laufe der letzten
Jahrzehnte stark weiterentwickelt. Immer häufiger ersetzen westliche
Industriewaren wie Eisen und Schnüre die traditionellen Materialien
wie Holz und Leder.
Auch heute unterscheidet sich die Bauweise von einem Handwerker zum
nächsten, wobei der Zugang zu den nötigen Ressourcen und der
Verwendungszweck eine Rolle spielen. Djemben, die zum Verkauf an
Touristen produziert werden, unterscheiden sich von Instrumenten
eines Solotrommlers in Conakry oder eines Trommlers in Oberguinea.
Trommelbauer in Conakry haben eher Schwierigkeiten gutes Holz zu
finden, da sie auf die Importe aus den Provinzen angewiesen sind,
für Trommelbauer in Oberguinea hingegen sind gute Schnüre (meist
Importe aus dem Westen) ein wertvolles Gut.
Der Bau der Trommeln wird von den meisten Musikern beherrscht und
jeder „der etwas auf sich hält“, fertigt seine persönliche Djembe
oder Dundun gemäß seinen Wünschen selbst an. In Conakry gibt es aber
auch schon zahlreiche „magasins“ die tonnenweise Trommeln für den
Export in den Westen produzieren, und vielen jungen Musikern einen
Zusatzverdienst ermöglichen.
1. Djembebau
Der Korpus einer Djembe wird aus einem frischen Baumstamm
herausgearbeitet, und erfordert eine geübte Hand. Sowohl in Conakry
als auch in Oberguinea wird diese Arbeit von Spezialisten
durchgeführt.
Die jungen Musiker in Conakry erwerben die grob gearbeiteten
Djembe-Korpi bei den Händlern und Schnitzern und führen die
Feinarbeit selbst durch. Als traditionelles Holz für eine Djembe
gilt der lenge – Baum (afzelia africana), der laut Meinung vieler
Trommler, mit mystischer Kraft versehen ist. Geschätzt werden aber
auch khari, duki, cola, jalla.
Als erster Schritt wird die Djembe nun mit Feile und Schleifpapier
an der Außenseite geglättet und die Ränder gerundet. Der untere Rand
wird nur der Ästhetik wegen schnell etwas abgerundet. Der obere
Rand, an dem das Fell aufliegt, wird jedoch genau bearbeitet, da die
Klangeigenschaften dadurch beeinflusst werden können. Eher spitz
zulaufende Ränder ermöglichen einen helleren Klang. Dadurch leidet
aber die Haltbarkeit des Fells und die Finger der Spieler, die sich
am spitzen Rand wund schlagen. Deshalb wird meist ein leicht
gerundeter Rand gefertigt, der nach innen steil abfällt.
Nun müssen die drei Eisenringe für die Bespannung gefertigt werden.
Diese Arbeit wird von den Schmieden durchgeführt, indem sie einen 6
- 8 mm Baustahl über eine Autofelge biegen und zusammenschweißen. Da
die Djemben meist nicht ganz rund sind, werden die Eisenringe direkt
an den Korpus angepasst, damit nur wenige Millimeter Abstand zum
Korpus gegeben sind. Der unterste Ring wird direkt am Djembe-Fuß
verschweißt, und kann dann nicht mehr entfernt werden, da der
Djembe-Fuß nach unten breiter wird. Der obere Ring, um den das Fell
gewickelt wird, muss sehr eng anliegen, der zweite, an dem die
Schnurknoten gemacht werden, kann etwas größer sein.
Ein wichtiger Schritt ist nun der Erwerb eines guten Ziegenfells,
das unbeschädigt abgezogen worden ist. Dieses wird nun, falls es
noch ganz frisch ist, etwas gesäubert, indem die letzten
Fleischreste mit einer Rasierklinge entfernt werden. Dann wird es in
der Sonne ausgebreitet und mit Nägeln am Boden befestigt, bis es
nach ein bis zwei Tagen, nach mehrmaligem Wenden, ganz trocken ist.
Seile sind in Guinea nicht leicht zu finden. Ich durchstöberte mit
meinen Freunden des öfteren die Märkte in Conakry, in Matoto und
Madina, um -meist vergeblich- gute Seile zu suchen. Eine
Djembe-Schnur sollte, auch nach einigen Bearbeitungen mit Zangen,
reißfest sein und wenn möglich schon vorgedehnt, um mühsame
Nachbespannungen zu vermeiden. Wenn dieses Hindernis jedoch
überwunden ist, muss noch etwas Karité-Butter bereit sein und die
Bespannung kann beginnen.
Als erstes wird das Fell in einem Kübel Wasser eingeweicht, wo es
einige Stunden bleiben sollte, inzwischen wird der obere, bauchige
Teil der Djembe mit erhitzter Karité-Butter eingefettet, die Ringe
mit einem Stoff umwickelt und am unteren und oberen Ring die
Spannknoten geknüpft.
Je nach Größe der Djembe werden am oberen Ring, in einem Abstand von
zwei Fingern, 20 – 26 Knoten gemacht. Dieselbe Anzahl auch am
untersten Ring, wobei die Knoten hier ganz eng aneinender liegen
müssen, da der Radius um einiges kleiner ist. Das durchweichte Fell
wird nun am mittleren Ring wie ein Schild aufgespannt und mit
Seilresten auf der oberen Seite zusammengeknüpft. Diese
Vorbespannung erleichtert die Arbeit, da das Fell nicht mehr
verrutschen kann.
Um die nun folgende „Montage“ zu erleichtern, wird das Längsseil
schon zu 2/3 eingezogen. Nun wird der Ring mit dem Fell auf die
Trommel gelegt, der oberste Ring daraufgesetzt, das bereits
eingefädelte Seil angezogen, und die restlichen 1/3 eingezogen. Nun
muss das Seil mit erheblicher Kraft angezogen werden, um das Fell
fest über den Trommelrand zu ziehen. Um die Hände vor dem
schneidigen Seil zu schonen, wird es jedes Mal um einen Holzpflock
gewickelt.
Das Fell muss nun rasiert werden, wobei eine einfache Rasierklinge
verwendet wird.
Die so bespannte Djembe muss nun einige Tage in der Sonne trocknen.
Abschließend wird das überstehende zusammengeknüpfte Fell
abgeschnitten und die Djembe ist spielbereit.
Häufig werden an der Djembe noch Sese (Blechrasseln) angebracht, die
beim Spielen mitklingen und das Klangspektrum erweitern.
2. Bau der Dunduns
Die zylinderförmigen Basstrommeln werden
ebenfalls aus den oben genannten Holzarten gefertigt. Heute werden
aber auch immer häufiger alte Metallfässer verwendet. Die Dunduns
werden an beiden Seiten mit Kuhfellen bespannt.
Die Dundun hat einen Durchmesser von 40 - 50 cm und eine Länge von
70 - 80 cm, die Sangban ca. 30-40 cm Durchmesser und ist 60 - 70 cm
lang. Die Kenkeni ist die kleinste der Basstrommeln mit einem
Durchmesser von 20 - 30 cm und einer Länge von 50 - 60 cm.
Die Korpi werden ebenfalls von Spezialisten aus einem Stamm
gefertigt. Bei der Bespannung gibt es zwei Varianten. Die meisten
Trommelbauer verwenden heute dieselbe Spannmethode wie bei der
Djembe, mit insgesamt vier Eisenringen (2 pro Seite).
Diblo Djakite, einer meiner Gastgeber in Conakry, beherrscht noch
die ältere Variante, bei der nur zwei Eisenringe zum Einsatz kommen
und das Fell vernäht wird.
Hierbei wird nur der Wickelring aus Eisen angefertigt. Der untere
Ring wird durch ein Seil ersetzt. Dieses Seil wird mit einer
komplizierten Knüpfmethode am Fell und am oberen Eisenring mit einem
ca. 5 mm dicken Seil vernäht.
Erst wenn beide Felle am Korpus festsitzen, werden die Längsseile
eingefädelt und angezogen. Die dicken Kuhfelle werden meist
unrasiert belassen.
Die Djembe-Musik im dörflichen Umfeld
Oberguineas
1. Einleitung
Da die Musik in Oberguinea sehr stark von
den sozialen Strukturen der Maninka geprägt ist, möchte ich dieses
Kapitel mit einem kleinen Exkurs beginnen.
Exkurs:
Die gesellschaftliche Struktur der Maninka, wie auch der verwandten
Ethnien der Bambara und Mandinka, ist durch eine hierarchische
Gliederung gekennzeichnet.
Es werden drei Gruppen unterschieden, die hórón (Noble), die
nyamankala (Handwerksspezialisten) und die jón (Sklaven).
Die oberste, herrschende Position in dieser Hierarchie nehmen die
hórón ein, gefolgt von den Handwerksspezialisten, den nyamankala.
Die jon bilden die unterste Stufe der Hierarchie. Jede dieser Gruppe
unterteilt sich noch in Untergruppen. (siehe Zobel 1997)
|
hórón
|
mansaren
dugutigi
|
Königslineage
Dorfchefs
|
|
nyamankala
|
numu
jeli
fune
garanke
|
Schmiede
Sänger,
Redner, Musiker
Muslimische
Redner
Lederbearbeiter
|
|
jón
|
woloso
jon
|
Unfreie
der 2. Generation
Unfreie
|
Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe ist durch die Geburt festgelegt.
Durch die Endogamie der einzelnen Gruppen bleiben diese aufrecht.
Diese soziale Stratifizierung der Maninka wurde von diversen Autoren
aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Manche gehen von
einer mehr oder weniger starren hierarchischen Ordnung aus und
verwenden sogar den Begriff der Kaste für die einzelnen Gruppen
(siehe Zahan 1963:128, Meillassoux 1968:43, Camara 1992:75ff).
Clemens Zobel (Zobel 1997:46) sieht die Gliederung in Gruppen mehr
als praktische und flexible Handhabung von kollektiven Selbst- und
Fremdzusprechungen, die von den Beteiligten je nach sozialem
Standort unterschiedlich definiert werden.
So findet man heute in Oberguinea neben der „modernen“ Musik noch
drei zu unterscheidende Musikstile, die teilweise nur von bestimmten
Gruppen der oben erwähnten Gliederung praktiziert werden:
· Musik der jelis (Griots)
· Musik der donso (Jäger)
· Trommel-Musik
So ist es nur der Berufsgruppe der jelis erlaubt, bestimmte
Instrumente zu spielen, genauso spielen nur die Jäger die simbi oder
donso ngoni.
Die Djembe-Musik steht in Verbindung mit der Berufsgruppe der numus.
Die jelis und Djembe-Musiker treffen zwar sehr oft aufeinander, nur
selten findet man aber jelis die sowohl singen als auch die Djembe
spielen.
“It’s unusual for jelis to play drums, with the exception of the
dunun and tama, wich are jeli instruments in certain regions. Among
the Senegambian Mandinka there are no hereditary restrictions on who
may play it, but in the past it may have been closely associated
with numus (blacksmith-sculptors), the ones who carve the
instruments.” (Charry 2000:195)
2. Entstehungsmythen der Djembe-Musik
Viele meiner InformationspartnerInnen
erzählten im Laufe der Interviews Geschichten über den Ursprung der
Djembe-Musik. Da es keine niedergeschriebene Geschichte der Djembe
gibt, ist deren Ursprung schwer nachzuvollziehen. Dennoch gibt es
einige verschiedene Entstehungsmythen.
Alle sind sich darin einig, dass die Trommeln des Djembe-Ensembles
ihren Ursprung bei den Maninka in Oberguinea (im heutigen
Grenzgebiet zwischen Guinea und Mali) haben.
Famoudou Konate ist der Meinung, die Djembe sei aus dem noch heute
verwendeten Mörser entstanden, von dem sie auch die becherartige
Form habe.
Wenn mehrere Frauen gemeinsam in einem Mörser Getreide stampfen,
entstehen durch das Geräusch beim Aufprall der Klöppel im Mörser
interessante Rhythmen. Sehr oft werden diese Rhythmen durch
Händeklatschen erweitert und dienen als Grundlage für Lieder, welche
die Arbeit erleichtern. Viele Djembe-Rhythmen sollen laut Famadou
aus diesen Arbeitsrhythmen entstanden sein.
Andere sehen den Ursprung der Trommeln bei den numu, der
Berufsgruppe der Schmiede. Als Erzeuger der Eisengegenstände waren
die numu Wächter höherer Mächte. Sie fertigten die Fetische an, die
den Geheimgesellschaften (wie komo) gehörten und dessen Leiter sie
meist waren.
“Historically Mande blacksmiths (numuw) have been responsible for
forging iron tools and weapons, and sculpting poth utilitarian and
ritual objects of wood. They have also served as religious
specialists and sorcerers, respected and feared for their knowledge
of the occult.” (Conrad 1995:I )
Außerdem war es ihre Aufgabe, die hölzernen Djembe-Körper zu
schnitzen und zu spielen.
“The Djembe is generally associatet with numu communities, and a
large proportion of Djembe players bear the numu family names Camara,
Kante and Doumbia even though their families might not be practicing
blacksmiths.” (Charry 2000:199)
Lansana Conde und Sidafa Conde erklärten mir, dass nach der Legende
alle Instrumente aus Mande vom König der Susu Sumanguru Kante
erfunden worden seien. Das Fertigen der ersten Djembe übertrug er
seinem Schmied.
« Als erstes
hat er die dankoni gemacht, dann donsokoni, bolon, kora und das bala.
Diese hat er von den von den Djin bekommen, und als letztes die
Djembe und Dundun. Sein numu namens Manden Kala hat sie für ihn
geschnitzt. Deshalb ist die Djembe Aufgabe der Schmiede. Es wurde
von ihm aber niemandem verboten die Djembe zu spielen.» (Interview Sidafa Conde)
Die Trommeln wurden seitdem von den numus gefertigt. Das Spiel der
Djembe und der Dunduns war jedoch nicht nur den numus vorbehalten,
wie es bei anderen Instrumenten wie der kora und dem bala der Fall
war. Diese durften nur von den jelis gespielt werden.
Die weite Verbreitung der Djembe in Westafrika könnte auf die
numu-Migrationen ab dem ersten Jahrhundert nach Christus
zurückzuführen sein. Die numu –Familien Camara, Doumbia und Kante
sind wichtiger Bestandteil des Sunjata -Epos. Der Legende nach waren
diese Familien Verbündete von Sunjata und halfen ihm, den
tyrannischen Susu-König Sumanguru Kante zu besiegen.
Den ersten Verwendungszweck der Djembe sieht Lansana Conde in
Zusammenhang mit der Kriegsführung. Er meint, dass die Trommeln von
Sumanguru Kante bis Samory Toure immer vor den großen Kämpfen
gespielt wurden, als physische und psychologische Unterstützung für
den Kampf.
Auch Fadouba Oulare erklärte mir, dass der älteste aller Rhythmen in
Mande der sofa sei, der Rhythmus der Krieger, der auch heute noch in
zahlreichen Varianten gespielt wird.
Laut Lansana Conde hat sich die Djembe-Musik im Laufe der letzten
Jahrhunderte stark gewandelt. Die Musik hat sich immer mehr von
einer Kampf- zu einer Festmusik entwickelt.
Auch Fadouba erweiterte seine Chronologie der Rhythmen
folgendermaßen: Nach dem sofa entstanden laut ihm die
Arbeitsrhythmen konkoba und kassa, später soliba, dann mandiani und
zum Schluss der soko.
Die Djembe-Musik hat also nach der Verwendung als Kriegsmusik zur
Unterstützung bei der Feldarbeit gedient (konkoba und kassa).
Erst später wurde sie zu rituellen Anlässen wie dem soliba oder zur
Unterhaltung der Menschen gespielt, also zu Anlässen wie ich sie
heute in Oberguinea miterleben durfte.
Innerhalb der großen Region, in der die Djembe gespielt wurde, haben
sich zahlreiche lokale Besonderheiten entwickelt. Viele Rhythmen
sind in bestimmten Regionen von Mande entstanden und tragen heute
noch die Namen der Ursprungsregion. Genauso gibt es einige Anlässe,
die nur in einem kleinen Teil von Mande vorkommen.
« Der
originale Rhythmus aus Faranah ist der Soko. Andere Rhythmen kommen
dann aus dem Norden aus Siguiri, wie der Mandiani, oder der
Soboninkun. Dundunba gibt es z.B nur in Hamanah, der Bondou, Dua,
Bolokonondo, Takosaba. Aber es gibt noch viele andere Rhythmen. » (Interview Fadouba Oulare)
Der Ursprung vieler Rhythmen, die heute in Oberguinea gespielt
werden, ist schwer nachzuvollziehen. Es gibt aber auch heute noch
viele lokale Besonderheiten. Manche Rhythmen sind nur in einzelnen
Gegenden bekannt. So werden die Rhythmen der Dundunba-Familie nur in
Hamanah, der Region um Kouroussa, gespielt. Andere findet man in der
ganzen Region. Manchmal werden dieselben Rhythmen (oder sehr
ähnliche) anders genannt und teilweise sind sehr verschiedene
Variationen eines, mit einem speziellen Namen benannten, Rhythmus zu
finden. So wurden mir vom sofa oder dem soko sehr unterschiedliche
Varianten gezeigt.
Vor allem Musiker, die zwar teilweise in Oberguinea leben, aber
Kontakte zu den Musikern der Balletts in Conakry pflegen, haben
viele Rhythmen anderer Regionen und Ethnien, wie der Susu, Djoula,
Bambara, etc. importiert.
So zeigte mir Fadouba einige Rhythmen (unter anderen auch den
Dundunba) die er aus seiner Zeit im Ballett mitgebracht hatte und
die in Faranah nur er und seine Söhne beherrschen. Normalerweise
wurden diese Rhythmen in der Gegend von Faranah nie gespielt.
Eine ähnliche Situation fand ich in Baro, wo Mansa Camio seinen
Wohnsitz und eine kleine Trommelschule für Touristen hat. Auch hier
sprachen die Trommler von Rhythmen, die sie von Mansa Camio gelernt
hatten, der schon seit Jahren in Conakry und in Deutschland Konzerte
gibt und unterrichtet.
Durch die fortschreitende Islamisierung der Mandenka vom 13. Jh. bis
heute wurden einige traditionelle Praktiken aufgegeben. Die
respektierte Position der numus dürfte darunter sehr gelitten haben.
Der Islam hat die Skulptur von Masken und anderen rituellen
Gegenständen verboten. Die komo Geheimgesellschaften zum Beispiel,
die vorwiegend von den numus geleitet wurden, sind heute meinem
Wissen nach in Oberguinea nicht mehr existent. Damit einhergehend
litten auch die Herstellung und die Bedeutung der Djembe und Dunduns.
« Der
Islam hat die Verbreitung der Djembe entgegengewirkt. Im Islam ist
die Skulptur von Masken, die bildliche Darstellung nicht erlaubt.
Die Schmiede die dafür verantwortlich waren und auch für die Djembe
haben durch den Wechsel zum Islam die Herstellung von Trommeln oft
aufgegeben. »
(Interview Lansana Conde)
3. Die Anlässe
Die Djembe-Musik im heutigen Oberguinea ist
vor allem Fest- und Tanzmusik. Neben den modernen Orchestern oder
der Popmusik vom Tonträger werden meist die jelis und die
Djembe-Musiker eingeladen, um die Feste zu gestalten.
So spielt es keine Rolle, zu welchem Anlass ein Tanzfest organisiert
wird, die Djembe ist dabei, neben den Gesängen der jelis tragendes
Element der ganzen Veranstaltung. Die Spannbreite reicht von
Übergangsriten wie Taufen, Beschneidungen oder Hochzeiten über
religiöse Feste, Erntefeste, Dorffeste bis hin zu kleineren
Veranstaltungen von einzelnen Gruppen.
Sandali Kouyate ist der Meinung, dass die Feste vor allem den Sinn
haben, die Frauen und Jugendlichen zu amüsieren und sie gleichzeitig
durch die Gesänge der jelis zu belehren.
«Die
Angelegenheit der Djembe gab es schon vor der Gründung unseres
Staates, bereits seit unseren Vorfahren. Der Grund für das Djembe
-Spiel war immer die Frauen und Kinder zu versammeln um sie zu
amüsieren. Es ist nämlich notwendig, um die Frauen und Kinder zu
erziehen das Spiel zu veranstalten. Wenn die Alten den Kindern etwas
wichtiges und ernstes zu sagen haben, ist es wichtig sie vorher zu
amüsieren. Dann werden sie alles was man ihnen sagt akzeptieren, mit
Herz.»
(Interview Sandali Kouyate)
Er unterstreicht die Wichtigkeit der Djembe-Musiker, da sie bei
allen wichtigen Festen dabei sind.
« In Oberguinea gibt es keine spezielle Familie die
für die Jembe zuständig ist, nicht wie das Balafon oder die Kora.
Jeder darf die Jembe spielen, ob du Sohn des Präsidenten bist oder
der letzte Dorfjunge, wenn du das gewählt hast, darfst du spielen.
Der Trommler, auch wenn manche behaupten er sei kein seriöser
Mensch, ist hier bei uns in Oberguinea sehr respektiert. Er ist
nämlich derjenige der kommt um bei den Hochzeiten, Taufen zu
spielen. Und mit den senekela , den Arbeitern, er spielt für sie um
sie zu ermutigen noch besser zu arbeiten. Der Trommler war eine
moralische Stütze für die Arbeiter. » (Interview Sandali Kouyate)
Genauso wie die Djembe-Musiker haben auch die jelis eine wichtige
Aufgabe in der Gesellschaft und bei den großen Festen und
Zeremonien.
«
Der
Griot hatte in der traditionellen Gesellschaft eine spezielle Rolle.
Er durfte sich nicht in die Politik einmischen. Er war der
Vermittler zwischen den Menschen. Er war derjenige, der das soziele
Zusammenleben garantierte, die Verwandtschaftsbeziehungen, und
zwischen den Nationen vermittelte. Er musste auch die Hochzeiten
bezeugen.
Der
Griot ignoriert die Lügen. Er darf nicht lügen, aber es gibt Lügen
die als Wahrheit gelten, sobald diese Lügen die sozialen Beziehungen
aufrecht erhalten (die oben genannten). Dies ist die Arbeit des
Nyamankala oder Griots.
Früher
war der Griot derjenige der während den grossen Zeremonien
gesprochen hat. Auch wenn der König anwesend war, hat der Griot vor
dem König gesprochen und wenn der König gesprochen hat, hat der
Griot das den anderen laut mitgeteilt. Er denkt anstelle des Königs.
Er spricht das was der König sagen will.»
(Interview Sandali Kouyate)
Ich konnte während meines Aufenthalts in Oberguinea zahlreiche Feste
und Auftritte mit dem Djembe-Ensemble miterleben, und mit
FestteilnehmerInnen über die Bedeutung und den Verlauf der Feste
sprechen. Weiters wurden mir in den Interviews auch Anlässe
beschrieben, bei denen ich nicht die Möglichkeit hatte,
teilzunehmen.
Zu zahlreichen Gelegenheiten werden in der Region um Kankan und
Kouroussa sogenannte Dundun-Feste veranstaltet. Dundun-Feste sind
große Anlässe, bei denen das Djembe-Ensemble Rhythmen aus der
Dundunba-Familie spielt. Hierbei ist es ausschließlich den Männern
erlaubt, zu tanzen. Die Dundun-Feste werden z.B. bei den islamischen
Festen sunkarosali und donkinsali, beim Erntefest baradósa, bei
gbalanlon, silamalon und dalamon veranstaltet.
Die Djembe-Musik wird ebenso bei einigen weiteren Anlässen wie
denabon (Taufe), fudu (Hochzeit), soli (Beschneidung), sédétolon und
mamaya (Gruppenfeste) gespielt. Bei diesen Veranstaltungen spielen
die jelis und jelimusos eine wichtige Rolle. Der Tanz ist vorwiegend
den Frauen vorbehalten. Für die einzelnen Feste gibt es auch jeweils
spezielle Rhythmen.
Einer der Anlässe zum Spiel der Djembe-Musik ist heute nicht mehr
gebräuchlich, nämlich das Spiel zur Arbeitsunterstützung auf den
Feldern. Der hierbei gespielte Rhythmus wird jedoch auch heute noch
verwendet.
Anlässe zum Spiel der Djembe-Musik:
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dundun-Feste
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Spezielle
Feste
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Arbeits-
unterstützung
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baradósa
sunkarosali
|
soli
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kassa
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donkinsali
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fudu:jalaban,
denbadon
|
kamberensali
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denabon
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gbalanlon
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|
silamalon
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|
dalamon
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